Morbus Parkinson. Online. Verstehen.

Die Parkinson-Krankheit ist eine langsam fortschreitende, neurodegenerative Erkrankung insbesondere tiefliegender Kerngebiete des Gehirns, der Basalganglien, die in Schaltkreise eingebettet sind. Im Vordergrund steht der Untergang dopaminfreisetzender Neurone in der sogenannten schwarzen Substanz, der "Substantia nigra". Die Patient:innen bemerken eine Verlangsamung und Beeinträchtigung von Bewegungen, Muskelversteifung, Zittern, Gang- und Haltungsstörungen. Darüber hinaus ist die Erkrankung durch viele Begleitsymptome geprägt wie Riech-, Schlaf-, Gedächtnisstörungen, Angst, Depression oder Störungen des Wasserlassens und der Verdauung.

WISSEN – Was ist Morbus Parkinson?

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Was ist Morbus Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit ist die zweithäufigste, neurode­generative Erkrankung nach der Alz­heimer Demenz mit einer Verdopplung der Zahl der Erkrankten welt­weit in den letzten 30 Jahren.

Pathogenetisch findet sich vermehrt ein patho­logisches Eiweiß, das "Alpha Synuklein" in sogenannten "Lewy Körperchen", das am Unter­gang verschiedener Zellen im Hirn­stamm, Basalganglien und Hirn­rinde beteiligt ist. Insbesondere der Verlust von Nerven­zellen in der Substantia nigra führt zu einem Dopamin­mangel, der an der Ausprägung der Symptome beteiligt ist.

Die Diagnose wird aktuell vor allem aufgrund des klinischen Untersuchungs­befundes der Symptome gestellt. Unter­stützend wird eine apparative Zusatz­diagnostik angewendet wie z.B. eine kranielle Bildgebung oder nuklear­me­di­zinische Verfahren. Es bleibt abzuwarten, ob zukünftig die Diagnose früher durch Blut- oder Nerven­wasser­untersuchungen auf das pathologische Alpha Synuklein in Kombination mit ersten Symptomen der Parkinson-­Krankheit gestellt werden kann.

Die Therapie orientiert sich an dem Krankheits­verlauf und den im Vorder­grund stehenden Symptomen. Hier wird das Arsenal an Therapie­optionen über Tabletten, Inhalatoren, sublingualen Strips, Pflastern, Pumpen und operativen Verfahren kontinuierlich erweitert. Verlaufs­modifizierende Therapien gibt es derzeit noch nicht.

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Das Hauptsymptom der Parkinson-Krankheit ist die Bewegungsarmut. Die Verlangsamung und die Abnahme des Bewegungsumfangs kann sich vielfältig manifestieren. Das Mienenspiel, die Mimik nimmt ab und die Stimme wird leiser. Oftmals zeigt sich ein verändertes Schriftbild mit kleiner werdenden, kritzeligen Buchstaben. Die Schritte beim Spazierengehen werden kürzer und langsamer. Darüber hinaus finden sich häufig ein Zittern einer Hand, eine zunehmende Muskelsteifigkeit sowie eine Störung des Gleichgewichts mit Stürzen.

Häufig lassen sich bereits Jahre vor dem Auftreten dieser klassischen Parkinson-Symptome unspezifische Anzeichen der Erkrankung beobachten. Dazu zählen der Verlust des Geruchssinns, Verstopfungen des Magen-Darm-Trakts und eine Veränderung des Schlafverhaltens mit Sprechen, Rufen oder unkontrollierten Bewegungen im Schlaf. Nicht in jedem Fall müssen diese Vorboten jedoch Ausdruck einer beginnenden Parkinsonerkrankung seien.

Im Verlauf können Veränderungen der Blasenfunktion, Störungen des Schluckens, ein erhöhter Speichelfluss, Schmerzen, neuropsychiatrische Symptome wie Depression, Angst oder Demenz auftreten.

Das höhere Lebensalter stellt den wichtigsten Risikofaktor dar, die Parkinson- Krankheit zu entwickeln. Selten gibt es eine familiäre Häufung. Das heißt, Menschen mit engen Verwandten, die an Parkinson erkrankt sind, haben ein leicht erhöhtes Risiko, ebenfalls einen Parkinson zu entwickeln. Darüber hinaus gibt es auch seltene Parkinsonvarianten, die direkt vererbt werden können.

Darüber hinaus, gibt es eine Reihe an weiteren Risikofaktoren, ein sogenanntes “sekundäres”, also durch eine bestimmte Ursache ausgelöstes Parkinsonsyndrom zu entwickeln. Hierzu zählen der Kontakt zu bestimmten Schwermetallen und Chemikalien, die Einnahme von spezifischen Medikamenten oder wiederholte Kopfverletzungen (z.B. bei Kontaktsportarten wie Boxen).

Die Diagnose der Erkrankung basiert in erster Linie auf einer gründlichen Anamnese und klinischen körperlichen Untersuchung. Hierzu zählt auch die Untersuchung, ob die klinischen Symptome auf eine dopaminerge Medikation ansprechen und sich im Levodopa -Test verbessern. Als bildgebendes Verfahren sollte bei Diagnosestellung eine MRT-Bildgebung des Kopfes durchgeführt werden, um andere Ursachen einer Bewegungsverlangsamung auszuschließen. Unterstützend können Zusatzuntersuchungen wie nuklearmedizinische Untersuchungen des dopaminergen Stoffwechsels (DAT-SCAN) oder Glukose-Stoffwechsels (FDG-PET) im Gehirn angewendet werden.

Darüber hinaus erfolgt die Erfassung und Objektivierung der verschiedenen Parkinson-Symptome mittels Fragebögen und klinischen Skalen.

Die Therapie orientiert sich an dem Krankheitsverlauf und den im Vordergrund stehenden Symptomen. In allen Stadien der Erkrankung ist eine interdisziplinäre Behandlung mit Einsatz von Physio- Ergo-, Sporttherapie und Logopädie sinnvoll. Medikamentös erfolgt in der Frühphase der Parkinson-Krankheit zunächst die Gabe von Tabletten. Den Goldstandard stellt hier die Substitution des dopaminergen Defizits mit Levodopa oder Dopaminagonisten dar. Es gibt eine Vielzahl weiterer Medikamente, die u.a. den Abbau des Dopamins verzögern können. In fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Krankheit rücken zunehmend gerätegestütze Therapien in den Vordergrund.

Hierzu zählen Inhalatoren, Medikamenten-Pumpen, das neurochirurgisch-stereotaktische Verfahren der elektrischen, reversiblen Tiefen Hirnstimulation oder in neuerer Zeit der Einsatz von läsionellen Verfahren durch fokussierten Ultraschall (MRgFUS). Besonders etabliert ist die Therapie der Tiefen Hirnstimulation, hier werden hauchdünne Elektroden in tief gelegene Hirnarealen implantiert, über die mit einem Schrittmacher kontinuierlich niedrige Strompulse abgegeben werden können. Die Tiefe Hirnstimulation kommt vor allem bei Patient:innen zum Einsatz, bei denen die langfristige, medikamentöse Therapie zu Komplikationen wie Schwankungen der Beweglichkeit führt oder einem Zittern, welches nicht auf die Medikamente anspricht.

Besonders günstig ist es, frühzeitig den Einsatz der Tiefen Hirnstimulation zu erwägen. Neuroprotektive Therapien zur Verlaufsmodifikation gibt es derzeit noch nicht, sind aber im Fokus weitreichender Forschungsprojekte.

Die Prognose der Parkinson-Krankheit ist individuell unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab, ist in der Regel aber günstig. Steht ein Zittern bei den Parkinsonsymptomen im Vordergrund, ist der Verlauf der Erkrankung noch günstiger als bei Patient:innen, bei denen Gangstörungen vorhanden sind. Durch die immer besser werdende, symptomatische Therapie kann den Patient:innen mit einer Parkinson-Krankheit jedoch über lange Jahre eine gute Lebensqualität ermöglicht werden.

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Ihre Experten, das Team im UKE

PD Dr. med. Monika Pötter-Nerger
Oberärztin Neurologie, Schwerpunkt Bewegungsstörungen

Dr. med. Keno Hagena
Assistenzarzt Neurologie, Schwerpunkt Bewegungsstörungen und Parkinsonsyndrome


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PD Dr. med. Monika Pötter-Nerger
Dr. med. Keno Hagena

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Morbus Parkinson - Informationen aus dem Medizinstudium

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Forschen – Forschungsaktivitäten zur Erkrankung "Parkinson" im UKE

Forschung zu Tiefer Hirnstimulation am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Trotz weitreichender Fortschritte der symptomatischen Parkinsontherapie gibt es weiterhin einige Krankheitssymptome, die sich in der Therapie als besonders herausfordernd darstellen. Hierzu zählen insbesondere Störungen des Ganges wie zum Beispiel das sogenannte “Freezing of gait". Die Forschungsgruppe BeTHS (Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation) erforscht, wie sich die Tiefe Hirnstimulation bei Patient:innen mit Parkinson insbesondere in Bezug auf solche Symptome verbessern lässt. Hier kommen unterschiedliche neurophysiologische Methoden (EEG, intraoperative Ableitungen, Ganganalysen, Pupillometrie) zum Einsatz.

Über das Verständnis der Effekte der Tiefen Hirnstimulation auf beinträchtigte subkortiko-kortikale Netzwerke wird versucht, die Stimulationsformen anzupassen und die Effekte mittels kinematischer Ganganalysen und klinischer Tests zu erfassen.

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe (Neurologie, Neurochirurgie, Neurophysiologie) kann dabei auf den hohen klinischen Erfahrungsschatz mit der Tiefen Hirnstimulation am UKE zurückgreifen. Über das UKE hinausgehend wird in Kooperationsprojekten mit den Instituten für Bewegungswissenschaft sowie dem Institut für Informatik der Universität Hamburg geforscht.

Ansicht von Grafikelementen des Sonderforschungsbereiches SFB936

Sonderforschungsbereich 936 (SFB 936)

Menschen sind in der Lage mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, zum Beispiel Musik­hören und ein Bild malen. Diese Fähigkeit beruht sehr wahr­scheinlich darauf, dass zahlreiche Hirnregionen zusammenwirken. Im Sonder­forschungs­bereich 936 wird dazu geforscht, wie verschiedene Hirnregionen zusammen­arbeiten und welche gesundheitlichen Folgen es haben kann, wenn diese Zusammen­arbeit nicht einwandfrei funktioniert.

link_iconErfahren Sie mehr über den Sonderforschungsbereich 936

Ansicht von Grafikelementen des Sonderforschungsbereiches SFB936

Projekt DECODE - Desynchronizing weak cortical fields during deep brain stimulation

Finanziert über den Europäischen Forschungsrat werden im Projekt DECODE unter der Leitung von Frau Dr. Bettina Schwab die therapeutischen Mechanismen der Tiefenhirnstimulation bei der Parkinson-Krankheit erforscht. Die Forschenden untersuchen, ob schwache elektrische Felder neuronale Aktivität in manchen Gehirnarealen desynchronisieren. Zusammen mit einer Synchronisierung von neuronaler Aktivität durch starke elektrische Felder in anderen Arealen kann es in diesem Fall zu wichtigen Netzwerkveränderungen kommen. Bei einem Erfolg kann mit den Ergebnissen möglicherweise die Tiefenhirnstimulation klinisch verbessert werden.

link_iconProjekt DECODE

Heilen – Wie wird Parkinson im UKE behandelt?

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Die Parkinson-Krankheit kann bislang nicht ursächlich behandelt werden, jedoch stehen mittlerweile viel­fältige medikamentöse Therapie­optionen zur Verfügung, um die Erkrankungs­symptome zu lindern und die Lebens­qualität von Patient:innen erheblich zu erhöhen.

Das wichtigste Medikament der Parkinson-­Erkrankung stellt weiterhin das Levodopa dar, welches im Körper zum Boten­stoff Dopamin um­gewandelt wird und damit dem Botenstoff-­Mangel entgegenwirkt. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an alternativen und ergänzenden Medikamenten­gruppen, die überwiegend eine Dopamin-­Wirkung imitieren und dazu führen, dass körper­eigenes Dopamin weniger rasch abgebaut wird. Parkinson­medikamente werden überwiegend in Tabletten­form eingenommen, können jedoch auch als Pflaster ver­abreicht oder inhaliert werden.

Eine zweite wichtige Säule der Behandlung stellen geräte­gestützte The­ra­pi­en dar. Hierbei sind insbesondere Medikamenten­pumpen sowie das operative Verfahren der Tiefen Hirnstimulation zu nennen. Gerätegestützte Therapien kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die medikamentöse Therapie im Erkrankungs­verlauf mit Komplikationen (z.B. Wirk­schwan­kun­gen) einhergeht. Jedoch zeigen neuere Studien, dass Patient:innen auch schon in früheren Krankheits­stadien von Verfahren wie der Tiefen Hirn­stimulation erheblich profitieren.

Die zunehmende Komplexität der Behandlung sowie der steigende Stellenwert gerätegestützter Therapien erfordern in vielen Fällen maßgeschneiderte Behandlungskonzepte und eine Behandlung an spezialisierten Zentren. Am UKE decken wir ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten ab. Im Rahmen des MVZ Neurologie können Parkinson-Patient:innen längerfristig ambulant behandelt werden, dabei liegt der inhaltliche Schwerpunkt der Ambulanz auf Bewegungsstörungen wie der Parkinson-Erkrankung.

Mit der Parkinson-Tagesklinik können wir Patient:innen seit 2016 zusätzlich ein teilstationäres Behandlungsangebot anbieten. Dieses eignet sich vor allem für Patient:innen, bei denen z.B. ein Fortschreiten der Erkrankung eine intensivere Therapieoptimierung notwendig macht. Im Rahmen des tagesklinischen Aufenthalts besteht an 5 Tagen innerhalb von 3 Wochen die Möglichkeit mit ausreichend Zeit individuelle Probleme zu erfassen und einen zugeschnittenen Therapieplan zu erstellen. Hierbei können wir die Medikation, Einstellungen einer Medikamentenpumpe oder eines Tiefen Hirnstimulators optimieren und zeitgleich mit einem individuellen multimodalen Therapieprogramm (u.a. Bewegungstherapien, Logopädie, Ergotherapie, Musiktherapie, sozialdienstliche Beratung) nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die dann auch zu Hause weiter umgesetzt werden können.

Für Patient:innen, bei denen eine stationäre Versorgung notwendig wird, kann eine Parkinson-Komplex-Behandlung auf unserer neurologischen Normalstation mit Parkinson-Schwerpunkt (Station 4D) sinnvoll sein. Darüber hinaus stellt die operative Behandlung von Parkinson-Patient:innen mittels Tiefer Hirnstimulation einen Schwerpunkt unseres Behandlungsangebots dar. THS-Operationen erfolgen am UKE seit mehr als 20 Jahren in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Neurologie und Neurochirurgie, mittlerweile erfolgen ca. 60 Operationen pro Jahr. Die Nachsorge erfolgt im Rahmen des MVZ Neurologie, der Parkinson-Tagesklinik sowie kürzeren stationären Aufenthalten.

Fact Sheet – Morbus Parkinson

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